Vier Hochzeiten und ein Musical

Probenblog zur Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding

Interview mit Ruth Fuchs und Fabian Raup: Von kessen Typen und Lieblingskostümen

Fabian Raup und Ruth Fuchs © Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Fabian Raup und Ruth Fuchs
© Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Noch vor Probenbeginn am Morgen konnten wir Ruth und Fabian in der Kantine auf einen Kaffee treffen. In einem lustigen, kurzen Interview haben uns die beiden ein wenig über ihre Figuren Mrs. Tottendale und Underling sowie über den Probenprozess verraten.


Könnt ihr uns etwas über eure Figuren und ihre Beziehung zueinander erzählen?

Ruth: Ich spiele Mrs. Tottendale, eine Witwe, die aufgrund ihres Alters immer alles vergisst und sich dann aber, wenn Underling sie wieder erinnert, total darüber freut. Sie hat eine unheimlich positive Energie und ist nie pessimistisch eingestellt. Außerdem driftet sie gelegentlich in ihre eigene Welt ab. Und ich glaube, sie mag Rosa.

Und natürlich ihr Kleid…

Ruth: (lacht) … und ihr Kleid.

Fabian: Ich spiele Underling, den Butler von Mrs. Tottendale. Er macht den Job schon ziemlich lange, wie es scheint, und kümmert sich um Mrs. Tottendale, weil sie eben immer alles vergisst. Er ist einfach für sie da. Man merkt dann ja im Musical, was daraus wird…

Ruth: Genau. Mrs. Tottendale braucht ihren Butler. Sie ist es gewohnt, dass er für sie da ist, sie kennt es gar nicht anders. Die beiden sind immer zusammen und dadurch entsteht eine Bindung, eine Liebe und Zuneigung, die man nur schwer benennen kann.

Habt ihr ein Lieblingszitat eurer Figur?

Ruth: Ich glaube, der prägendste Satz für meine Figur ist „Oh, es gibt eine Hochzeit?“

Fabian: …und das, obwohl diese in ihrem eigenen Haus stattfindet. Also Underling ist immer derjenige, der „Ja, Madam!“ und „Ja, Mrs. Tottendale!“ sagt. Was ich an meiner Figur mag, ist, dass er so ein kesser Typ ist, der immer ein bisschen schmunzeln muss. Er denkt sich eben seinen Teil…

Was ist für euch das Besondere bei diesem Musical? Habt ihr es vorher schon gekannt?

Ruth: Ich kannte nur das Lied „Show off“ von Janet, weil ich’s mal gesungen habe, und wusste gar nicht, wie lustig das Stück ist. Die Proben machen total Spaß: Du kommst hinein und selbst wenn du mal müde bist, springst du immer wieder auf diesen Energie-Zug auf, weil du gar nicht anders kannst: Das ist so eine mitreißende Musik und ich liebe die Zwanziger.

Fabian: Also mir geht’s so wie Ruth, dass ich das Musical vorher nicht wirklich kannte. Als ich mir dann die Lieder angehört habe, dachte ich mir, wow, jedes einzelne Lied ist wirklich ein Stimmungsmacher. Was ich super finde, ist, dass diese zwölf Rollen alle Hauptrollen sind. Also dass jeder gezeigt wird und etwas von sich erzählen kann.

Ruth: Das Beste an dem Stück ist sowieso, dass ich Fabian anspucken darf.

(alle lachen)

Könnt ihr eure Arbeit mit dem Regieteam kurz beschreiben?

Fabian: Man hat das Gefühl, dass sie genau wissen, was sie wollen. Und das bringt alle weiter. Auch wenn mal dazwischen kurz gelacht wird, fährt der Zug sofort wieder weiter.

Ruth: Aber obwohl sie genau wissen, was sie wollen, lassen sie einem die Freiheit, selbst…

Fabian: …kreativ zu sein.

Ruth: Ja, man fühlt sich nie vor den Kopf gestoßen, sondern immer unterstützt. Das finde ich schön. Diese Art zu arbeiten macht total Spaß und scheint mir für das Niveau der Show und unseren Lernprozess im Studium gleichermaßen effektiv.

Ihr seid nun im dritten Jahrgang: Erzählt doch kurz aus eurem Studium. Wart ihr an der Akademie schon mal an einer ähnlich großen Produktion beteiligt oder ist es das erste Mal für euch?

Fabian: Das erste Mal. Das Studium ist so aufgebaut, dass man im zweiten Jahr kleinere Auftritte hat. Man fängt klein an und es wird immer größer von Jahr zu Jahr. Und jetzt sind wir in dieser großen Produktion… das ist der Hammer.

Ruth: Genau. Eigentlich ist das Studium sehr gut gegliedert. Das Problem ist nur, dass durch den Bachelor alles auf drei Jahre komprimiert ist und man wirklich gut planen muss, damit man neben den Projekten seinen Einzelunterricht noch hinkriegt und dann auch noch zum Einkaufen kommt.

Fabian: Ja, es gibt oft Tage oder Wochen, wo man sich überlegen muss, wie man jetzt seinen Einkauf macht und dann ist der Kühlschrank leer… die Tage gehen schon oft von 9 bis 21 Uhr.

Ruth: Ja, aber sobald irgendwo eine kleine studiengangsinterne Aufführung ist oder eben so eine große Produktion wie jetzt im Prinzregententheater, da weiß man dann einfach, wofür man das Ganze auf sich nimmt.

Gibt es die Rolle oder das Musical, das ihr gerne einmal spielen möchtet?

Ruth: Da gibt’s so vieles, was ich gerne machen möchte. Ich würde mich ungern in eine Form pressen lassen, sondern immer die Möglichkeit behalten, Neues und Unbekanntes auszuprobieren – mich eben Herausforderungen zu stellen! Ich fände es ganz interessant, mal etwas Ernsteres zu spielen. Der Pool an Möglichkeiten ist aber so groß, da kann ich mich gar nicht entscheiden – zwischen ‚ernst’ und ‚happy’ gibt es so viele Nuancen. Im Laufe des Studiums lernt man aber, wie realistisch man sein muss und welche Träume man haben kann.

Fabian: Eigentlich ist jede Rolle toll und es wert, sie zu spielen, weil man immer die Möglichkeit hat, Persönlichkeit reinzubringen und die Rolle so zu formen, dass man die Figur lieben lernt. Natürlich ist nicht jeder Typ Mensch für jede Rolle gemacht. Man sollte sich Gedanken machen, welcher Typ man ist, welche Stimmfarbe oder Figur man hat und, wie Ruth schon sagte, realistisch sein.

Wie seid ihr zum Musical gekommen?

Ruth: Also in diesen Freundschaftsbüchern gab es ja immer eine Spalte mit „Was möchte ich werden?“ Da stand seit meinem 6. Lebensjahr – eben seitdem ich schreiben konnte – Prinzessin oder Sängerin. In der Grundschule war ich in der Theater AG und bin dort immer eine kleine Rampensau gewesen. (lacht) Über den Gesangsunterricht bin ich dann zum Musical gekommen.

Fabian: Meine Eltern haben mich mit neun Jahren, da ich sehr zappelig war, in eine Tanzschule gesteckt und das war genau das Richtige. Seitdem tanze ich und bin dadurch auch zum Singen gekommen… denn in dieser Tanzschule gab es immer Abschlussmusicals, bei denen ich gespielt habe.

Ruth: Was man abschließend noch zu mir und meiner Figur sagen könnte, ist, dass man es nicht besser hätte treffen können, dass ich so ein riesengroßes rosa Krinolinenkleid trage. Das kann jeder, der mich kennt, bestätigen… ich glaube, niemand hätte sich über dieses Kleid mehr gefreut, als ich.

Also ein richtiges Prinzessinnenkleid…

Ruth: Ja! (lacht)

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Dieser Eintrag wurde am 5. Februar 2015 von veröffentlicht.
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