Vier Hochzeiten und ein Musical

Probenblog zur Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding

Interview mit Katrin Paasch und Peter Schmid: Über große Äffchenaugen und neue Herausforderungen

Katrin Paasch und Peter Schmid © Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Katrin Paasch und Peter Schmid
© Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Bei „Vier Hochzeiten und ein Musical“ stehen Katrin und Peter als Brautpaar Janet van de Graaff und Robert Martin auf der Bühne. Für ihre Rollen mussten die beiden im Laufe der Proben besondere Fähigkeiten erlernen. In einem spannenden Gespräch haben sie uns von ihrer intensiven Probenarbeit erzählt und uns verraten, wie sie ihre Leidenschaft fürs Musical entdeckt haben und was sie nach Abschluss ihres Studiums erwarten wird.


Welche Figuren verkörpert ihr in „Vier Hochzeiten und ein Musical“?

Katrin: Ich spiele Janet van de Graaff, den erfolgreichen Star der „Feldzieg Follies“. Sie wird vom Publikum geliebt und sie liebt das Publikum ebenso. Aber jetzt will sie ihre Karriere als Showgirl aufgeben, denn sie hat sich in Robert Martin verliebt. Man weiß nicht genau, was Robert macht, aber sein Vater scheint sehr reich zu sein. Janet ist nun hin- und hergerissen zwischen dem Rampenlicht, dem Ruhm auf der Bühne und dem wahren Leben, der wahren Liebe. Sie kann sich nicht so richtig lösen vom Showbissness, dem Erfolg und der Anerkennung.

Peter: Ich spiele die Figur des Robert Martin. Er ist Janets Verlobter und der gutaussehende Sohn eines reichen Öl-Magnaten. Seine einzige Aufgabe besteht darin, den ganzen Tag zu lächeln und gute Laune zu verbreiten. Er ist ein bisschen hohl, wie alle Figuren in diesem Stück, aber auf eine sehr charmante und liebenswerte Art und Weise.

Wie haben sich die beiden kennengelernt?

Katrin: „Wir begegneten uns…“

Katrin und Peter: „Auf dem Lido-Deck der Île de France…“

Katrin (als Janet): „Er amüsierte mich mit Geschichten über die Ölgeschäfte seines Vaters.“ (alle lachen) Beim Durchlesen haben wir uns im Vorhinein schon einmal darüber unterhalten, ob diese Geschichte mit dem Kreuzfahrtschiff wirklich stimmt. Die Ironie dabei ist, dass Robert sie mit den Geschichten seines Vaters amüsiert hat. Jedes andere Mädchen wäre wohl davongelaufen, aber für Janet ist Robert jemand, der fest im Leben steht. Die Wirtschaft – das ist keine Show, sondern für sie etwas Handfestes. Das hat sie fasziniert. Und natürlich ist sie seinen großen „Äffchenaugen“ absolut verfallen. (lacht)

Musstet ihr für eure Rollen besondere Fähigkeiten erlernen? Habt ihr euch vor den Proben bereits vorbereitet?

Katrin: Ja, aber richtig konkret wurde es erst, als wir mit der Regiearbeit angefangen haben. Ich finde es schwierig, bei Janet den Kontrast herauszuarbeiten: Sie fühlt sich ständig beobachtet und ist es gewohnt, immer vor Publikum zu stehen. Sie achtet genau darauf, keine Fehler zu machen, hat aber auch sehr ehrliche Momente. Besonders schwierig finde ich bei ihr das Exaltierte und das ständige Posieren. Das muss bei Janet immer natürlich aus der Mitte des Körpers heraus kommen. In ihrer Nummer „Show off“ zeigt sie alles, was sie kann, aber nach ihrem Karriereende nicht mehr machen will. Trotzdem macht sie daraus eine fünfminütige Nummer und will sehr viel zeigen. Ich dachte, wir machen das wie am Broadway mit Radschlagen und Spagat – das fand ich nicht so schlimm. Aber dann kommt der Choreograph mit lauter Requisiten an, die ich fangen, werfen und drehen muss. Das ist eine echte Herausforderung. Ich will nicht zu viel verraten, aber Peter und ich mussten Fähigkeiten erlernen, die wir bisher nicht – oder zumindest noch nicht ausgeprägt – hatten.

Peter: Das stimmt. In meinem Fall waren das zum Beispiel exzessives Steppen, Rollschuhlaufen und Lächeln. Marco (Roberts Trauzeuge „George“) und ich haben uns auf die Steppnummer vorbereitet und im Vorhinein Inszenierungen vom Broadway und Londoner Westend angesehen. Uns war klar, dass bei diesen Rollen die großen Steppnummern stattfinden, das Ausmaß davon war uns allerdings nicht ganz klar. Wir haben hier seit knapp vier Jahren Steppunterricht, aber auf das, was der Choreograph mit uns gemacht hat, waren wir nicht vorbereitet. Wir dachten uns anfangs bloß: „Wie sollen wir das jetzt in den nächsten Wochen schaffen?“ Aber wir haben uns nach und nach hineingearbeitet und es wird auf jeden Fall eine Wahnsinns-Nummer. Neben dem Steppen war da auch noch die Sache mit dem Lächeln! Ich bin eher der ernste Typ und habe bisher tendenziell tragische Rollen gespielt. Und plötzlich muss ich eine Figur spielen, deren einziger Gesichtsausdruck ein Lächeln im Gesicht ist. Ganz schön anstrengend, wenn man das nicht so gewohnt ist.

Was ist für euch das Besondere an diesem Musical – ist es als Komödie eine besondere Herausforderung?

Peter: Definitiv. Aber ich habe während der Proben schon einen interessanten Effekt bemerkt – das ganze Stück hat eine sehr positive Energie. Persönlich ist mir aufgefallen: Egal ob ich einen guten Tag habe oder mit schlechter Laune hierher komme, sobald man eine Weile bei den Proben ist, kann man gar nicht anders als sich wieder gut zu fühlen.

Katrin: Unser ganzer Jahrgang war etwas skeptisch, als das Abschlussstück bekannt gegeben wurde. Wir sind nicht so der typische „Comedy-Jahrgang“ und hatten gedacht, dass wir eher ein Popmusical bekommen würden, das in der heutigen Zeit spielt. Aber es ist super, dass wir jetzt diese Herausforderung haben. Komödie zu spielen ist eigentlich das Schwerste: Das Timing, die Sprache, die richtigen Haltungen zu finden und darin glaubhaft zu sein, dass es nicht nur übertrieben ist. Es muss ehrlich sein. Man lernt die Figuren jetzt richtig lieben. Auch wenn alle sehr abgedreht und überzeichnet sind, bekommen alle langsam einen Kern, und das ist das Interessante daran. Es macht unheimlich Spaß.

Peter: Das liegt aber auch an dem Kreativteam, das uns eine wahnsinnig positive Energie gibt.

Wie ist denn eure Arbeit mit Stefan Huber (Regie), Danny Costello (Choreographie) und Tom Bitterlich (musikalische Inszenierung)?

Katrin: Man merkt, dass Stefan und Danny schon sehr viel zusammen gearbeitet haben, sie sprechen eine Sprache und verstehen sich quasi blind. Auch Tom fügt sich sehr gut in das Team und sie arbeiten alle hochprofessionell. Gerade in einer Hochschulproduktion finde ich es wichtig, dass man gewisse Strukturen vorgibt. Wir haben noch keine Erfahrung darin, die Rollen komplett alleine zu gestalten. Gleichzeitig ist der Probenprozess sehr persönlich. Man kann alles sagen und ich habe nie das Gefühl, dass ich eingeengt werde.

Peter: Bei der Arbeit mit Stefan ist es toll, dass er genau weiß, was er will, aber auch nicht abgeneigt ist, auf Ideen und Vorschläge von uns einzugehen und diese mit einzubringen. Das ist ein schöner Probenprozess, wenn von beiden Seiten ein gemeinsames Arbeiten stattfindet.

Katrin: Mit Danny habe ich für meine Nummer viel alleine geprobt. Am Anfang dachte ich: „Das schaffe ich nicht! Das ist mir auch auf der Bühne viel zu peinlich!“ Ich habe bisher erlebt, dass viele Choreographen sagen: „Wenn du dich nicht wohlfühlst, dann machen wir das nicht.“ Danny war einer der ersten, der gesagt hat: „No, you can do everything!“ Er hat sehr viel Geduld und Vertrauen, das er in uns steckt und das macht die Arbeit sehr angenehm.

Peter: Er ermutigt einen in allem, was man tut. Das tut gut!

Wie kam es zu eurer Entscheidung, in München Musical zu studieren?

Katrin: Ich hatte schon früh den Wunsch, Sängerin oder Schauspielerin zu werden und habe Gesangsunterricht genommen. Dort habe ich von einer anderen Schülerin zum ersten Mal gehört, dass man Musical studieren kann. In meiner Jugendzeit habe ich mich dann darauf vorbereitet und bei verschiedenen Schulen die Aufnahmeprüfung gemacht. München hatte ich noch gar nicht so ins Auge gefasst, da ich aus Norddeutschland komme – und da ist München doch sehr weit entfernt. Beim ersten Mal wurde ich hier noch nicht genommen und habe ein Jahr an der Hochschule in Leipzig Musical studiert. Ich habe mich dann entschieden, mich nochmal in München zu bewerben und wurde auch genommen, worüber ich sehr dankbar bin. Ich denke, dass ich hier eine der besten Ausbildungen bekomme. Ich hatte sofort das Gefühl, dass ich hierher gehöre.

Peter: Es war Schicksal. Die Liebe führte mich nach München, und die Liebe zur Akademie behielt mich hier! Ich wusste schon immer, dass ich etwas mit Musik machen wollte, weil das der Bereich in meinem Leben ist, den ich am besten beherrsche. Ich hatte mir mehrere Studienoptionen gesetzt – angefangen von Lehramt für Englisch und Musik bis hin zu Producing und Sounddesign/Komposition. Und irgendwo auf dieser Liste stand auch Musical. Vorher hatte ich nie wirklich Gesangsunterricht, Schauspiel- oder Tanzunterricht. Aber ich habe jahrelang in einer Big Band gesungen, unzählige Auftritte gehabt und mehrere Welt-Tourneen erlebt. Das war eine wahnsinnig tolle Erfahrung. Letztendlich habe ich mich für Musical-Theater entschieden, weil die Ausbildung so breit gefächert ist und ich mit vielen Fähigkeiten ausgestattet werde, womit ich später viele Entscheidungsmöglichkeiten habe. Wie es derzeit aussieht, werde ich aber wohl beim Musical bleiben.

Nach dieser Produktion schließt ihr euer Studium ab. Was werdet ihr vermissen und wohin geht es für euch danach?

Katrin: Wohin es geht, darf ich leider noch nicht sagen. (lacht) Meine „One-Women-Show“ startet als eine der ersten und ich bin fleißig am Arbeiten. Ich verrate aber nur so viel: Ich werde mich in die Zeit der 60er und 70er Jahre begeben. Was werde ich vermissen? Das ist eine interessante Frage. Ich werde München vermissen und natürlich die Leute an der Akademie. Nach vier Jahren sind sie wie eine Familie geworden. Man bespricht alles mit dem Jahrgang und den Dozenten – zu manchen hat man ein sehr inniges Verhältnis. Diese Gemeinschaft werde ich vermissen. Wir haben unglaublich viel erlebt und haben Stresssituationen, emotionale Momente, persönliche Probleme und künstlerische Entwicklungen zusammen gemeistert. Die Zeit hier war sehr intensiv und hat mich sehr glücklich gemacht und geprägt. Natürlich wird es jetzt eine Herausforderung sein, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber ich freue ich mich jetzt auch darauf, ins Berufsleben einzusteigen und zu schauen, welchen Weg ich wirklich alleine gehe.

Peter: Was ich an der Ausbildung sehr schätze, ist die wahnsinnige Flexibilität und Selbstverständlichkeit, mit der wir zusätzlich zu den normalen Stundenplänen unterrichtet wurden. Viele Dozenten konnte man abends anrufen und sagen: „Hast du kurz Zeit? Ich habe bei diesem Monolog ein Problem.“ Dann hieß es oft: „Na klar, wir machen eine Stunde aus.“ Das werde ich auf jeden Fall vermissen. Einige Studenten und Dozenten werde ich auch vermissen. Ansonsten versuche ich immer nach vorne zu schauen und die positiven Dinge in dem zu sehen, was ich hinter mir gelassen habe. Wenn „Vier Hochzeiten“ abgeschlossen ist, kommt erst einmal meine „One-Man-Show“. Danach habe ich ein paar Auftritte mit meinem Solo-Konzert und Mitte/Ende dieses Jahres wird mein Debüt-Album „Reaching for Heaven“ auf den Markt kommen, worauf ich mich unglaublich freue und bei dem neben vielen begabten Musikern und Sängern auch Katrin als Gast beteiligt ist. Im Herbst habe ich dann ein Engagement, das ich noch nicht verraten darf.

Katrin: Aber so viel können wir doch verraten: Wir gehen nicht zur selben Produktion, aber uns verschlägt es in die gleiche Region.

Peter: Ja, so richtig los wird man dann einander doch nicht. (lacht)

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Dieser Eintrag wurde am 20. Februar 2015 von veröffentlicht.
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