Vier Hochzeiten und ein Musical

Probenblog zur Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding

Kontext #2: Entstehungsgeschichte „The Drowsy Chaperone“

Wenn eine Hochzeitsgesellschaft zum Vorbild für die Geschichte eines Musicals wird – in Kontext #2 verraten wir mehr über die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte von „The Drowsy Chaperone“.


© Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

© Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Man stelle sich folgendes Szenario vor: Auf dem eigenen Polterabend bekommt ein Brautpaar zur Hochzeit ein Musical geschenkt…

Genau das passierte Janet van de Graaff und Bob Martin, bevor sie Ende der 1990er Jahre heirateten. Als kanadische Schauspieler bzw. Comedians dem künstlerischen Metier verhaftet, konnten beide zu ihren Freunden überaus kreative Köpfe zählen: Im Vorfeld der Hochzeitsfeierlichkeiten organisierten sich Janets Trauzeugin Lisa Lambert, der Komponist Greg Morrison und der Autor Don McKellar, um gemeinsam das Kurzmusical „The Drowsy Chaperone“ in einem Club in Toronto zur Aufführung zu bringen.

Die Dauer betrug 35 Minuten und im Mittelpunkt der Handlung standen Braut und Bräutigam, die nach dem realen Paar (Robert Martin & Janet van de Graaff) benannt wurden. Eine kurzweilige Musical-Show mit Musik im Stil der 1920er Jahre war geboren. Lisa Lambert selbst spielte dabei den Titelstar, die „Beschwipste Anstandsdame“, der Part des Latin-Lovers Aldolpho wurde von Don McKellar übernommen.

Dem „echten“ Bräutigam Bob Martin gefiel dieses Geschenk so gut, dass er sich als Co-Autor beteiligte und das Stück erweiterte: Neben einer kompletten musikalischen Überarbeitung wurde auch die Rahmenhandlung entwickelt – so entstand die Figur des „Mann im Sessel“, der das Publikum durch die Geschichte führt. Das Musical wurde in dieser neuen Fassung erstmals 1999 beim Toronto Fringe Festival gezeigt und erregte bald die Aufmerksamkeit des Produzenten David Mirvish.

Nach mehreren Aufführungen in Kanada kam es schließlich am 1. Mai 2006 zur erfolgreichen Broadway-Premiere von „The Drowsy Chaperone“, bei der Bob Martin selbst den „Mann im Sessel“ verkörperte. Das Musical wurde in 13 Kategorien für den Tony Award nominiert und gewann fünf der begehrten Auszeichnungen.

Aus einem Polterabendspaß hatte sich also ein unterhaltsames und ungewöhnliches Broadway-Musical entwickelt. „Was braucht man noch, um sich hübsch den [Polter]abend zu vertreiben?“ (MANN IM SESSEL).

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Dieser Eintrag wurde am 24. Februar 2015 von veröffentlicht.
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