Vier Hochzeiten und ein Musical

Probenblog zur Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding

Interview mit Marco Toth und Theresa Weber: Wie man den Stress einfach wegtanzt

Theresa Weber und Marco Toth © Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Theresa Weber und Marco Toth
© Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Kurz vor der Premiere: Die Spannung steigt! Zwischen Soundcheck und Bühnenprobe haben wir Marco und Theresa für ein kurzes Interview getroffen. Die beiden spielen den Trauzeugen George und Trix, die Fliegerin – wichtige Figuren für das Gelingen der Hochzeit(en). In unserem Gespräch haben sie uns verraten, welche Erfahrungen sie bereits mit großen Tanznummern gemacht haben und in welchen Produktionen sie nach Vier Hochzeiten und ein Musical zu sehen sind.


Ohne Trix und George würde die Handlung wohl komplett anders verlaufen. Erzählt uns doch ein bisschen über eure Figuren. Was ist das Besondere an ihnen?

Theresa: Ich spiele Trix, die Fliegerin, und ich glaube, es ist nicht zu viel verraten, wenn ich sage, dass ich am Schluss die vier Paare verheirate. Das ist meine Funktion im Stück. Trix ist sehr emanzipiert, gerade für diese Zeit. Sie zieht ihr eigenes Ding durch, fliegt wohin sie möchte, ist total frei und eine ziemlich bestimmte Frau. Trix ist eine stark überzeichnete Figur und tritt sehr männlich auf – das wird durch mein Kostüm zusätzlich verstärkt.

Marco: Und ich spiele George. Er ist der beste Freund von Robert, der männlichen Hauptfigur, und muss als Trauzeuge die Hochzeit organisieren. Ursprünglich ist es ja nur eine Hochzeit… und damit ist er schon maßlos überfordert! Am Anfang denkt er noch, er hätte alles unter Kontrolle und alles läuft wunderbar. Aber dann geht immer mehr schief – da will ich jetzt nicht so viel verraten – bis er schließlich kurz vorm Nervenzusammenbruch steht. Er weiß gar nicht mehr, wo ihm der Kopf steht. Aber am Ende wendet sich dann doch alles zum Guten für ihn – das ist wie bei Kitty: Man wundert sich, wie er das jetzt wieder geschafft hat.

Kannst du dich mit George identifizieren, Marco?

Marco: Ach, jeder kennt doch solche Situationen, bei denen man sich auf einmal überfordert fühlt und denkt „Oh Gott, ich will jetzt nur noch in mein Bett.“ Aber meistens reißt sich George ja doch zusammen – und in der Hinsicht kann ich mich mit ihm identifizieren.

George findet dann ja die Gelegenheit, seinen Stress wegzutanzen – in der großen Steppszene des Musicals. Kannst du uns ein bisschen über deine Arbeit mit Danny Costello (Choreograf) erzählen?

Marco: Wir hatten lange Sessions, die sehr viel Spaß gemacht haben. Zuerst haben wir begonnen, diesen gemeinsamen Teil der Steppnummer von Peter und mir zu proben. Dann haben wir unsere Solostellen entwickelt und diese anschließend in Dialog gesetzt. Und dann haben wir geübt, geübt, geübt, geübt und geübt…

Hattet ihr für eure Stepptanz-Choreografie spezielle Vorbilder?

Marco: Aus der Zeit der 1920er-Jahre ist es schwierig, denn da gibt es kaum Vorbilder oder Aufnahmen. Filme mit Fred Astaire, Gene Kelly, Ginger Rogers waren aber vom Ausdruck her hilfreich. Von diesem eleganten Stil kann man sich viel abschauen.

An der Theaterakademie habt ihr regulär Stepptanzunterricht…

Marco: Ja, seit dem ersten Jahr.

Hattet ihr schon mal größere Stepptanz-Auftritte?

Theresa: Ja, ich hatte tatsächlich einen… Seit wir, der 3. Jahrgang Musical, hier studieren, haben wir einen neuen Tanzdozenten – Gaines Hall. Er ist einer der bekannten Stepper in Deutschland und hat uns ermöglicht, am Opernball in Nürnberg zwei Nummern aus 42nd Street zu steppen. Es waren die Originalchoreografien aus dem Musical – und die zu erlernen war eine Menge Arbeit. Das war nicht leicht, hat aber irrsinnig Spaß gemacht. Und toll ist es schon, wenn’s dann klappt – man hört immer gleich, ob man synchron ist oder ob sich doch irgendjemand versteppt.

Marco: Wir hatten in der Produktion Kifferwahn, die letztes Jahr im Akademietheater gezeigt wurde, eine Steppnummer im Ensemble. Aber das in Vier Hochzeiten ist meine erste richtig große Steppnummer.

Letzte Woche wurden die Proben vom Akademiestudio auf die große Bühne verlegt. Wie macht sich dieser Wechsel bemerkbar?

Theresa: Es ist etwas ganz Anderes, vom Akademiestudio auf die große Bühne zu wechseln. Du hast auf einmal diesen großen Saal vor dir…

Marco: Im Akademiestudio hast du nicht diesen Raum, den du mit deinem Körper und mit deiner Präsenz füllen musst. Auf der großen Bühne musst du alles größer machen, damit man es auch hinten sieht.

Theresa: Das ist richtig schwierig. Ich habe ein paar Mal zugeschaut und einen großen Unterschied festgestellt: Was im Akademiestudio wirkt, ist viel zu wenig im großen Haus. Es ist unglaublich, wie viel mehr man geben muss. Man fragt sich immer selbst: Ist es schon zu viel oder noch zu wenig? Diese Balance zu finden, ist irrsinnig schwer – gerade bei diesem total überzeichneten Spiel in Vier Hochzeiten. Wir denken, wir machen schon zu viel, dabei reicht es noch gar nicht.

Wie geht ihr mit diesem überzeichneten Schauspielstil um?

Marco: Das ist auf jeden Fall eine Herausforderung. Bei diesem Stück muss man bei den Figuren von außen auf das Innere kommen und nicht wie oft vom Inneren nach außen gehen. Das ist mal was Anderes. Boulevard-Komödien haben wir bisher nicht wirklich gemacht…

Theresa: Das stimmt. Und gerade mit Stefan Huber haben wir jemanden, der uns gut an die Hand nimmt und sagt, wie man das angehen muss.

Marco: Und auch mit Danny, der sich stilsicher im frühen US-amerikanischen Musical auskennt.

Theresa: Wir tasten uns eben durch… aber wir kommen Schritt für Schritt näher ran.

Bald läuft Vier Hochzeiten und ein Musical auf der großen Bühne. Welche Projekte stehen für euch nach dieser Produktion an?

Theresa: Bei mir und meinem Jahrgang geht’s nahtlos weiter. Nach Vier Hochzeiten schließt direkt die Generalprobe des Gastspiels The Sound of Music im Prinzregententheater an – da spielen wir im Ensemble. Und dann haben wir erst mal Ferien…

Marco: Bei mir geht’s nach Vier Hochzeiten auch direkt weiter. Meine One Man Show ist Mitte Mai. Und dann geht’s ans Staatstheater am Gärtnerplatz mit Singin’ in the Rain. Da spiele ich Rod, den maßlos überforderten Pressesprecher – also eine ähnliche Rolle wie George…

Theresa: Passt doch… dann musst du gar nicht mehr proben! (lacht)

Marco: Stimmt, das kann ich dann direkt so spielen. (lacht)

Werbeanzeigen

Information

Dieser Eintrag wurde am 16. März 2015 von veröffentlicht.
%d Bloggern gefällt das: