Vier Hochzeiten und ein Musical

Probenblog zur Produktion der Bayerischen Theaterakademie August Everding

Interview mit Julia-Elena Heinrich, Noah Wili und Matthias Trattner: Über Kindheitsträume, Fußball und Doppelrollen

Noah, Julia, Matthias

Noah Wili, Julia-Elena Heinrich und Matthias Trattner © Foto: Dramaturgie Vier Hochzeiten

Kurz vor der Vorstellung konnten wir Julia, Noah und Matthias in der Garderobe treffen, um unsere Interviewserie mit den Studierenden des Studiengangs Musical abzuschließen. Dabei haben sie uns etwas über die Besonderheit der Einstudierung von Doppelrollen erzählt und ein Fazit aus der Probenzeit gezogen. Ob Kindheitstraum, Alternative zum Fußball oder die Florianer Sängerknaben: Wir durften erfahren, welche unterschiedlichen Wege zum Musical auf die große Bühne führen.


Könnt ihr uns etwas über eure Rollen und deren Funktion in Vier Hochzeiten und ein Musical erklären?

Noah: Matthias und ich spielen die beiden Gangster im Stück, sie wurden von ihrem Vorgesetzten – einem „bestimmten Individuum“ – geschickt. Es handelt sich dabei um den Geldgeber von Feldziegs Show. Die Gangster wurden beauftragt, Feldzieg dazu zu bringen, die Hochzeit zu verhindern. Ihre Aufgabe ist es, ihn entsprechend zu bedrohen. Damit sie nicht auffallen, sind sie auf der Hochzeit getarnt als Patissiers. Unsere Figuren sind relativ dämlich, deshalb kommt auch zum Vorschein, dass sie in Wirklichkeit Gangster sind. Dafür ist die Verkleidung einfach zu absurd.

Matthias: Das Besondere ist, dass die Rolle davon lebt, dass Noah und ich sie gemeinsam spielen – wir sind also zwei in einer Rolle. Alles muss an den Partner angepasst werden und alle Bewegungen müssen gleich sein. Das war am Anfang schwierig. Es ist aber auch spannend, genau auf den anderen zu achten und zu sehen, was man hinzufügen kann, um einen Witz daraus zu machen. Noah und ich ergänzen uns gut auf der Bühne, weil wir uns persönlich unglaublich gut verstehen und auch im echten Leben verwechselt werden. Wir haben beide miteinander viel Spaß und haben denselben Humor – daher passt das sehr gut. Ich glaube, es hätte mit keinem Anderen so gut funktioniert wie mit ihm.

Julia: Ich habe auch eine Doppelrolle. Ich spiele das Personal im Haus von Mrs. Tottenale, wo auch der Butler Underling angestellt ist. Ich habe mir die Situation immer wie in einem Irrenhaus vorgestellt: Alles geht drunter und drüber, besonders als alle Gäste für die Hochzeit eintreffen. Es macht sehr viel Spaß, dieses „Überdrehte“ zu spielen. Außerdem spiele ich noch den Reporter, der am Anfang einfach nur seine Arbeit macht, sich dann aber immer mehr für Janet begeistert. Wie die anderen Figuren im Stück ist er sehr überzeichnet. Die Rolle ist für mich ein starker Kontrast zum Dienstmädchen. Ich trage hier einen Bart und spreche mit einer tiefen, männlichen Stimme.

Wie geht ihr denn mit diesem überzeichneten Schauspielstil um?

Matthias: Für mich war dieser überzeichnete Stil ganz neu. Schwierig ist, dass er dich in eine Art Form presst. Du musst dich an Regeln halten, damit zum Beispiel das Timing stimmt… und Noah und ich sind ja zu zweit – das heißt, wir müssen uns immer absprechen und ständig einen Kompromiss finden. Am Anfang war alles unglaublich technisch: Wo stehe ich? Wie bewege ich mich? Es hat wirklich lange gedauert, sich frei zu spielen und freie Momente zu finden.

Noah: Ich hatte damit anfangs Probleme, weil es schwierig ist, sich so etwas anzulernen. Es gibt Leute, denen dieses überzeichnete, überartikulierte Spiel von Natur aus sehr liegt. Es ist schwieriger als es aussieht, denn man muss sich dabei immer noch ernst nehmen. Dazu gehört viel Mut, so etwas auszuprobieren.

Julia: Ich persönlich fühle mich in solchen Stücken zwar wohler, aber wie Noah schon sagt, ist es sehr schwierig, die Authentizität nicht zu verlieren. Jeder Figur muss eine ernsthafte Note gegeben werden. Man muss eine Geschichte erzählen, die glaubhaft ist. Ich denke, es ist aber auch eine Gewöhnungssache.

Die Probenzeit ist nun beendet. Könnt ihr für euch ein Fazit daraus ziehen? Was habt ihr für euch mitgenommen?

Noah: Wir hatten ja eine sehr lange und lustige Probenzeit. Man lacht schnell über Situationen, was die Arbeit sehr aufgelockert hat. Man darf den Spaß einfach nicht verlieren. Die ersten zwei Wochen ist noch alles neu und man amüsiert sich über jeden Gag. Nach sechs Wochen kennt man dann die ganze Show schon auswendig und weiß genau, was passiert. Da besteht die Gefahr, dass man beginnt, alles runterzuspielen, weil man es schon so lange gemacht hat. Es ist schwierig, diese „Lustigkeit“ zu halten.

Julia: Ich muss aber sagen, es gibt nach dieser langen Zeit trotzdem Stellen, bei denen ich immer wieder lachen muss und die nie langweilig werden. Für uns war es die erste große Produktion im Studium. Die Erkenntnis dabei ist, dass die Arbeit am Stück noch einmal etwas ganz anderes ist als das Studium an sich. Man weiß, wofür man jeden Tag arbeitet. Auch wenn es oft sehr anstrengend ist, gerade weil man bei der Komödie so genau arbeiten muss, macht es trotzdem viel Spaß. Es ist auch interessant, einmal einen Blick in die Zukunft zu werfen: Wie wird es einmal sein? Da wir noch ein Jahr hier sind, bedeutet das einen ganz neuen Ansporn zu arbeiten und zu wissen, wo es später hingeht.

Matthias: Nach der langen Probenzeit weiß ich, dass man mit seinen Kräften haushalten muss und dass alles eine extrem große Konzentration erfordert. Man muss immer voll dabei sein, weil man im Endeffekt selber auf der Bühne steht. Was mir an Vier Hochzeiten so gefällt, ist, dass es ein Stück ist, bei dem sich das Publikum zurücklehnen und den Tumult auf der Bühne genießen kann. Es ist ein Abend, an dem man einfach Spaß hat. Außerdem bin ich ein großer Fan der Musik der 1920er Jahre. Ich bin froh, dass das Stück nun anläuft. Jetzt ist der Tag da, an dem man seine Flügel ausbreitet und losstartet und hoffentlich gut ankommt.

Wie kam es bei euch zur Entscheidung, Musical zu studieren?

Julia: Bei mir ist es die klassische Story: Mit sieben Jahren habe ich zum ersten Mal ein Musical gesehen – das war Die Schöne und das Biest in Stuttgart. Von da an wusste ich, dass ich das unbedingt machen möchte. Zunächst war das nur ein wenig ernst zu nehmender Kindheitstraum. Aber als ich dann älter wurde und auch wusste, dass es ein sehr anstrengender Beruf ist und man Kompromisse eingehen muss, ich aber noch immer Musical machen wollte, haben alle gewusst, dass es mir ernst ist. Allen voran natürlich meine Eltern, die mich bis heute sehr unterstützen. Ich habe von klein auf angefangen zu tanzen und Gesangsunterricht zu nehmen. Nach meinem Abitur bin ich auf eine Vorbereitungsschule nach Berlin gegangen und hatte dann das Glück, gleich hier genommen zu werden. Bis jetzt hat also alles ganz gut geklappt und ich hoffe, dass es so weitergeht. (lacht)

Matthias: Ich wusste bereits früh, dass ich ans Theater wollte, auch wenn ich eigentlich zuerst in Richtung Schauspiel gehen wollte. Begonnen hat es damit, dass ich bei den Florianer Sängerknaben gesungen habe – dort habe ich die ersten Erfahrungen mit Auftritten und Disziplin gemacht. Ich hatte lange Gesangsunterricht – das war mir immer wichtig und da bin ich richtig aufgeblüht. Als ich eine Knabenhauptrolle am Landestheater Linz bekommen habe, war das für mich der innerliche Durchbruch. Neben der Schule habe ich viel am Theater gemacht, in Jugendspielclubs gespielt und bei Musicals oder Produktionen über das Schultheater – das wurde zu meinem zweiten Ich, das „freiere“ Ich. Meine Leidenschaft lag im Theater. Zum Musical kam es dann, weil mir das Singen so wichtig war. Hier im Studium habe ich noch unglaublich viel dazugelernt – vor allem tanzen.

Noah: Bei mir war das eigentlich überhaupt nicht geplant. Ich habe von klein auf Fußball gespielt – zwölf Jahre lang – habe aber als Kind schon Robbie Williams imitiert und meine Mutter wollte auch, dass ich als kleiner Junge tanzen gehe. Als ich in einer „Schnupper Jazz-Stunde“ alleine als kleiner Junge unter 20 Mädchen war, bin ich nach einer halben Stunde heulend rausgerannt.

Julia: Die Geschichte habe ich ja noch nie gehört… (lacht)

Noah: Naja, die erzähle ich auch nicht allen. (lacht) Und dann war das Thema für mich gegessen und ich habe weiter Fußball gespielt. Nach zwölf Jahren habe ich von einem Tag auf den anderen aufgehört Fußball zu spielen und begonnen zu tanzen. In der Musical Factory – einer Vorbereitungsschule in Luzern – wurde mir Gesangs- und Ballettunterricht angeboten. Am Anfang habe ich mich gesträubt, aber dann hat mir das richtig Spaß gemacht. Trotzdem habe ich dann noch eine Ausbildung zum Kaufmann angefangen. Weil ich parallel an der Musical Factory war, habe ich dann aber gemerkt, dass ich nicht im Büro sitzen will. Ich hatte dann das große Glück, dass ich meine erste Aufnahmeprüfung an der Akademie gemacht habe und direkt aufgenommen wurde – und so bin ich dann hier reingerutscht.

Spielst du noch Fußball?

Noah: Ja, ich spiele noch ganz gerne hobbymäßig. Wir haben den Pokal, der hier in der Kantine steht, gewonnen. Jedes Jahr gibt es ein Fußballturnier der Schauspielschulen – neun oder zehn Unis kommen da zusammen und wir haben letztes Jahr gewonnen.

Wohin geht’s für euch nach dieser Produktion?

Julia: Wir sind direkt nach Vier Hochzeiten und ein Musical in The Sound of Music zu sehen – einer Gastspielproduktion des Salzburger Landestheaters. Wir ersetzen hier den Opernchor und das Ballett, worauf wir uns schon sehr freuen.

Matthias: Ab Mai gehen bei mir die Proben los für Cabaret in Bad Hersfeld. Darauf bin ich schon sehr gespannt. Natürlich wird es auch stressig neben den Prüfungen zu proben und aufzutreten, aber ich bin mir sicher, es war die richtige Entscheidung und ich freue mich schon sehr darauf.

Julia: Wir wissen, dass wir nächstes Jahr an der Akademie ein Crossoverprojekt machen – ein Schauspielprojekt, in das Tanz und Gesang eingebunden werden.

Noah: Da wissen wir selber noch nicht, was es genau werden wird, aber es wird voraussichtlich im Januar stattfinden.

Werbeanzeigen

Information

Dieser Eintrag wurde am 23. März 2015 von veröffentlicht.
%d Bloggern gefällt das: